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Verordnung

die Eheverlöbnisse in den Städten und auf dem Lande betr. vom Jahr 1594
Von Gottes Gnaden Wir Adolf, Graf zu Holstein Schaumburg und Sternberg.
Fügen allen und Jeden Unseren Unterthanen, wes Standes sie seyn, hiermit zu wissen; Nachdem die tägliche Erfahrung bezeuget, wann Eheberedung gehalten, daß dann oft von dem einen oder anderen auch wol beyden Theilen ein Abspruch genommen, in Zweifel gezogen, ob per verbade präsenti oder de futuro, wie man es nennet, in der Ehesach gehandelt und eine Abdankung zu Werk gestellt wird, woraus dann erfolget, daß nicht so göttlich und christlich von der heiligen Ehe wird gehalten, als sich gebühret, die Leute mit den Ehehändelen leichtfertig umgehen, vieler Gewissen verwirret, und sowohl Uns und Unsern Räthen als auch den Pastoren Unser Grafschaft damit viele Mühe, Sorge und Arbeit erwecket wird, daß demnach wir zu Verhütung solches Unraths auf vorgehende stattliche Deliberation sowohl weltlicher als geistlicher vernünftiger Persohnen für nötig erachten, hierüber ein gewisse Form und Ordnung zu begreifen und in Unsern Landen öffentlich verkunden zu laßen; Setzen demnach und wollen, daß es mit solchen Eheleuten hinfür nachfolgender Gestalt soll gehalten werden:
Wann Leute fürhaben, Ehehändel zu tractiren, da es dann in Unsern Städten oder Flecken ist, sollen sie dazu erfordern erst die Eltern, da die leben, beyde Vater und Mutter, oder da dieselben nicht vorhanden, die Vormünder und nächsten Verwandten und Freunde, desgleichen zwo oder drey Personen außen Rath und den Stadtschreiber, da es ihnen auch gefällt, einen der Pastoren dazu erbitten, und mit den Eltern und Vormündern, als auch nächsten Verwandten, wenn Eltern oder Vormünder nicht seyn, sonderlich aber mit Wissen und Willen beyder Personen, so zu contrahiren bedacht, von den Pactis dotalibus so lang reden und rathschlagen, daß sie allerseits der Sachen einig, und es nur daran mangelt, daß die Punkte der Eheberedung verfaßet werden, welches dann der Stadtschreiber, oder der nicht vorhanden, ein geübter bekannter Notarius oder Schreiber nach der Weise, wie bisher in diesen Landen gebräuchlich gewesen, verfassen und beyden Theilen und ihren Beyständdern zu etlichen mahlen deutlich vorlesen und hinc inde so lange tractiret und für dem nichts verbündliches gehandelt geachtet werden soll, bis sie sich der notul vergleichet, der Stadtschreiber oder obvermelter Concipient dieselbe mundiret, allen Theilen wieder vorgelesen und von ihnen allerseits deutlich vernommen hat, daß ihr unbezwungener guter freier Wille sey, also und nicht anders zu contrahiren, alsdann darauf der Contrahenten Handschlag erfolgen, die Arrhae gegeben und alsobald Braut und Bräutigam und ihre Eltern mit dem Beystande, als viel deren des Schreibens kundig, und mit dem Notario oder Concipienten den Ehereceß unterzeichnen sollen. Wenn denn das also geschehen, und nicht eher, mag man das Lobelbier darüber trinken oder dasselbige unterlaßen, und ist alsdann erst von solchen Verlöbnißen zu halten, daß sie seyn verbindlich und de präsenti; Es kann denn auch hernach zu jederzeit aus dem unterschriebenen Exemplar der Ehereceß gedoppelt gefertiget werden, worin der Schreiber mit dem Salario die Contrhenten nicht soll übersetzen, worauf der Rath in den Städten soll gute Achtung geben; Dabevor aber und ehe solche requisita vorhergangen, soll man kein Ehegelobt pro präsenti, sondern de futuro achten und danach in Unsern Consistorio von Unsern Räthen und den adjunctis Pastoribus erkannt und dies also für Unsere gemeine Constitution und Landesordnung gehalten werden; Auf Unsern Dörfern aber ist bereit Unsere Ordnung promulgiret, daß keiner daselbst sich unterstehen soll, einige Eheberedung zu machen, viel weniger zu schließen, es geschehe dann vor unsern Beamten und der Contract werde deutlich zu Buche geschrieben, wofür dem Schreiber jederzeit ein Ort des Thalers gebühret, und wird in der Ordnung vermeldet, daß Unsere Amten von den Höfen nichts sollen erblich, ohn allein in nötigen Fällen Leibzuchtweise, reißen oder abtheilen laßen, worbey es billig verbleibet.
Weil sich aber auch seither befunden, daß nicht alle Personen, so dazu gehören, als Eltern und Contrahenten auch Vormünder und nächste Verwandten jederzeit dabey seyn, ingleichen daß es nicht erst concipiret und den Partheyen deutlich vorgelesen und dann in ihrem Beywesen zu Buch geschrieben wird, woraus sether in etlichen Fällen nicht geringer Streit müglich den Pastoren eines jeden Orts, wo die Leute geseßen, mit dazu erfordern und hierin kein Gefährde gebrauchen.
Wenn dann ein Ehehandel also richtig traktiret, beschossen und zu Buch geschrieben, soll auch derselbe pro präsenti und für verbündlich gehalten und in Gerichten dafür ertheilet werden; Da aber Partheyen andres mit Ehesachen umgiengen, wird man dieselben nicht anders dann pro futuris achten, und haben sich die streitende Theile, so hernach hierüber uneinig werden, selbst beyzumeßen, daß sie lieber Ihrem eigen Gutachten, denn Unser Landesordnung haben folgen wollen.
Das ist also Unser ernster Wille und Meinung, der Unser Unterthanen sollen gehorsamlich geleben und Nachsetzen. Geben unter Unserm Secret.

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